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Dortmund 1.09.07

Berichte Demos > 2007

Im Zeichen der Repression – Dritter nationaler Antikriegstag wegen zu hoher Beteiligung im Fadenkreuz des Systems


Am 01.09.2007 war es mal wieder soweit, der Nationale Widerstand versammelte sich abermals auf den Straßen Dortmunds. Nachdem der 1.Mai mit ca. 1.400 Besuchern ein riesiger Erfolg war, wollte man dort anknüpfen und die Teilnehmerzahl des Antikriegstages 2006 nochmals steigern. Natürlich ist die Zahl 1.400 für eine regionale Demonstration Utopie, womit auch keiner gerechnet haben dürfte. Der 1.Mai ist und bleibt halt eine Ausnahmesituation.

Trotz starken Regens und voller Terminkalender in den letzten Monaten versammelten sich ca. 500 Nationale Sozialisten am Hafen Dortmunds. Als Erfolg von unserer Seite her gewertet, so dürfte der Staat sich nur eines gedacht haben. Dort helfen nur Repressionen.

So begann der Tag mit einer, schon fast normalen, Kontrolle im Polizeizelt. Bei 500 Teilnehmern eine sehr lange Prozedur, vor allem bei einsetzendem Gewitter. Nachdem die meisten Aktivisten den Kontrollpunkt durchschritten hatten, begannen die Veranstalter mit der Suche nach fähigen und willigen Ordnern. Schnell gefunden bei der Anzahl von Menschen, doch leider ging es bei ,,Team Green“ nicht ganz so schnell. Ganze drei Stunden gab es ein hin und her. Abgelehnt wegen Vorstrafen, laufender Verfahren oder herbeigedachter Probleme, sollte es nicht möglich sein die Demonstration beginnen zu lassen. Da allerdings die Hälfte der Ordner bereits gefunden war, kam man auf die Idee, einfach die Hälfte der Teilnehmer bereits losziehen zu lassen. Immerhin legitim im Rechtssinne.

Natürlich von der Staatsmacht nicht zugelassen, doch der Druck der Demospitze wurde größer, Parolen und Formierungen bedrohlicher. So kam es nach drei Stunden endlich zum Start der Demonstration, allerdings war nicht nur ein Ordnerproblem vorhanden, aus Sicht der Polizei, sondern man brachte stets neue Auflage, ließ diese wieder fallen und aktualisierte diese wenige Minuten später erneut. Nach Meinung der Polizei war die Blockformation, das Tragen von Sonnenbrillen und das Zusammenknüpfen von Transparenten nicht hinnehmbar. Eine Auflage, die nicht viel Beachtung fand nach dem Start.

Die Demonstration setzte sich also in Bewegung. Sieben Kilometer durch den Hafen und Dorstfeld sollten es werden, und trotz Repressionen und enormer zeitliche Verzögerung kam man schließlich auch bis Dorstfeld-Süd. Allerdings ist mir hier nicht bekannt, ob das wirklich der vorgesehene Schlusspunkt war. Doch die Gruppen, die mit Reisebussen angekommen waren, oder lange Zugfahrten vor sich hatten, konnten, so gern sie auch wollten, nicht länger in Dortmund verharren. Aber es sei hier noch mal gesagt, wenn die Polizei in Zukunft diese Methode häufiger anwendet, um Demonstrationen vorzeitig enden zu lassen, dann wird nicht nochmals so gehandelt. Dann wird halt bis zum nächsten Morgen in Dortmund demonstriert.

Zwischenfälle gab es an diesem Tage nicht. Antifaschisten und andere Gutmenschen ließen sich nur vereinzelt am Wegesrand blicken.

Zum Auftreten der Demonstration ist zu sagen, dass trotz Hetze gegen den National und sozialistischen Block mehr als 200 bis 250 Leute den Weg in den Block fanden, und somit mehr als die Hälfte der Demonstration geschlossen vor dem Lautsprecherwagen in Blockformationen marschierte. Imposant und vor allem entschlossen kam der Zug so niemals wirklich zum Stehen. Bis auf wenige Rangeleien mit der Staatsmacht blieb es ruhig. Doch auch bei diesen kleinen Auseinandersetzungen wurde klar, dass der NS-Block weder dazu da ist, zu Reden, noch Repressionen hinzunehmen.

Lediglich mit schwarz-weiß-roten Reichsfahnen geziert und gut durchdachten Transparenten kann man den Demonstrationszug vom Aussehen her als klaren Erfolg zählen. Vereinzelte Festnahmen gab es am Rande der Demonstration. Natürlich traf es immer wieder Aktivisten, die nicht im Block formiert waren, und somit zum leichten Fang der Systemdiener wurden. Selbstverständlich wurde jedes Mal bis zur Freilassung gewartet und lautstark protestiert. Allerdings muss die gesamte Demonstration in Zukunft dort radikaler agieren, nicht reagieren. Festnahmen dürfen nicht sein, müssen nicht sein. Angriff, nicht Widerstand oder Protest müssen kommen. Festnahmen innerhalb des Blockes gab es unserer Information nach nicht.

Ich denke man wird sich vor dem 01.09.08 auf den Straßen Dortmunds wiedersehen. Wenn man sich auf zwei Großdemonstrationen im Jahr beschränkt und selbst diese willkürlich behindert werden, wird man halt wöchentlich aufmarschieren müssen. Und glaubt mir liebe Polizisten: Ob mit 500 oder 50 Leuten, Spaß werdet ihr nicht haben.

Gegen Krieg und Kapitalismus – Nationaler Sozialismus

Revolutionäre Grüße

Quelle: Aktionsgruppe Ruhrgebiet-Mitte


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Nachricht von:
Christian Worch

Antikriegstag in Dortmund


Die antifaschistische Linke hatte dem Tag aus zwei Gründen mit großem

Interesse entgegengesehen: Einerseits träumte sie davon, wieder wie am

1. Mai massive Verkehrsbehinderungen herbeiführen zu können, von
denen nicht nur die Demonstranten, sondern noch viel stärker normale Bürger

betroffen waren, und zum anderen fragten sie sich: Ob oder welche
Auswirkungen hat der Streit zwischen dem NPD-Parteipräsidium, den
Autonomen Nationalisten und etlichen freien Nationalisten, die nicht
zugleich auch autonome Nationalisten sind, auf diese Demonstration? Es
wurde darüber spekuliert, daß der 1. September eine Art
„Heerschau“ der Autonomen Nationalisten und somit auch der Befürworter des
„Nationalen Schwarzen Blocks“ werde.

Mindestens einige Kameraden haben diese Spekulationen offenbar
aufgenommen. Für unser politisches Lager ist ja ohnehin bezeichnend,
daß es sich oftmals viel mehr nach innen orientiert als auf
außengerichtete Politik....
Wenn denn also der 1. September als „Heerschau“ verstanden werden
sollte, so verlief sie auf jeden Fall positiv für die Veranstalter,die
zum Kreis der Autonomen Nationalisten gehören. Die Polizei hatte sehr
gründlich gezählt, unter anderem, weil die Zahl der Ordner sowie derzu verwendenden Fahnen von der Teilnehmerzahl abhängig war. Sie meldeten
dem Veranstalter 484 Personen. Da nach dieser Zählung noch einmal zehn

Personen den Veranstaltungsbereich erreichten, gehen die Veranstalter
von fünfhundert auf. Lustig ist, daß später in der polizeilichen
Pressemeldung von „ca. 400“ zu lesen war. Das formale Bedürfnis der
Polizei einerseits und das politisch-propagandistische scheinen sich da

wechselseitig im Wege gestanden zu haben... Das wäre vielleicht mal
der Aufklärung wert.

Daß die Polizei irgendeine – negative – Motivation hatte, war an
den für Dortmund bisher eher unüblichen Schikanen zu erkennen. Die Prüfung
der „behördlichen Zuverlässigkeit“ der eingesetzten Ordner nahm teilweise
bis zu drei Stunden in Anspruch... Wollte die Polizei damit auf die
Landesregierung Druck ausüben, endlich neue Funkgeräte,
Datenfernübertragungsleitungen und sonstige Kommunikationstechnik zu
bekommen? Oder diente es eher der Verzögerung der Veranstaltung? Wenn
man bedenkt, daß am Rande ein gewisser Polizeidirektor Sander gesehen
wurde, bekannt von verschiedenen Aktivitäten in Leipzig, dann gewinnt
die letztere Vermutung höheres Gewicht!

Der lustige Gipfel der Frechheit aber war, daß die Polizei zuerst das
Tragen von Sonnenbrillen verbot, es dann wieder erlaubte und
schlußendlich neuerlich verbot. Solche wechselhaften Meinungen kennt
man vielleicht vom Militär, wo zumindest in Norddeutschland jeder Rekrut
das berühmte „Rin in de Kartoffeln – rut us’ns Kartoffeln!“ kennt.
Eine zivile Behörde darf so etwas aber nicht tun, ohne sich dem dringenden
Verdacht rechtswidrigen Handelns auszusetzen. Auch das wäre vielleicht

der Aufklärung wert...

Indes konnte die bis zu dreistündige Verzögerung nicht wirklich stören.
Zwar war die Demonstration nur bis 18.oo Uhr angemeldet, aber es war
ausdrücklich erklärt und von der Polizei gebilligt worden, daß
Verzögerungen, die zu Lasten Dritter wie der Polizei gehen, den
zeitlichen Rahmen entsprechend nach hinten erweitern. Somit vermeldet
der Polizeibericht ein Ende gegen 19.31 Uhr, was ungefähr meiner
Erinnerung entspricht.

Zwischen diesem tatsächlichen Abmarsch und dem tatsächlichen Ende
lagen ungefähr 6,5 Kilometer Wegstrecke und drei Zwischenkundgebungen. Auf
der ersten traten Dennis Giemsch als Veranstalter, der Liedermacher Flex
und meine Wenigkeit auf. Auf der zweiten traten Sascha Krolzig und ein
junger Kamerad namens Christian aus den Niederlanden auf. Die dritte
und letzte Kundgebung bestritten ein Redner, den ich leider wieder
vergessen habe, Constant Küsters aus den Niederlanden und neuerlich Flex mit
einem kurzen Auftritt. Alle Reden thematisierten vornehmlich die
imperalistisch-kriegstreiberische Politik der USA und die Erkenntnis,
daß moderne Kriege vornehmlich wirtschaftliche Ursachen haben und
damit
die Faustregel gilt, daß es ohne internationalen Kapitalismus und
Globalisierung allenfalls noch unbedeutsame lokale Konflikte geben
würde, sicherlich aber keine größeren Kriege mehr.

Linke Störungen hielten sich in einem kaum wahrnehmbaren Bereich. Laut
Polizeibericht wurden nahe der Petrikirche Gegenstände auf uns
geworfen, was ich persönlich nicht einmal wahrgenommen habe. (Naja, bei einem
Zug von fünfhundert Leuten kann man ja nun nicht alles sehen...) Die Polizei
nahm daraufhin 32 Linke in Gewahrsam. Festgenommen wurden insgesamt
sechs Personen, zwei von uns, vier Linke. Ein Polizeibeamter erlitt
leichte Verletzungen, als ein Linker ihm ins Gesicht trat. Verschwiegen

hat der Polizeibericht natürlich, daß eine Truppe Polizisten am
Hauptbahnhof grundlos mit Pfefferspray und Knüppeln auf etwa fünfzig
Kameraden von uns losging, wobei mindestens ein Kamerad nach meinen
eigenen Beobachtungen ziemlich verletzt wurde.

Ebenfalls nicht im Polizeibericht steht, daß eine (möglicherweise
spontane) linke Demonstration von etwa fünfzig Personen im
Innenstadtbereich zehn von ihnen wohl als rechts verortete junge
Männer bedrängte und bedrohte, was diese sich nicht gefallen lassen wollten
und sich wehrten, indem sie die Linken mit Stühlen bewarfen. Nach dem
Bericht eines Beteiligten, der später den Weg zu unserer Demonstration

fand, hatten die Linken trotz vier- oder eher fünffacher Übermacht
aber wohl keine Neigung, eine Auseinandersetzung auf geringere Entfernung zu

führen. Die als rechts bezeichnete Gruppe wurde später dann von der
Polizei eingekesselt, wobei ihnen Passanten zuhilfe kamen und der
Polizei gegenüber protestieren: „Laßt doch die Nazis zufrieden, die

linken Chaoten haben angefangen!“ – Es scheint, daß die
Durchschnittsbevölkerung in Dortmund noch sehr gut in Erinnerung hat,
daß wir ihr gegenüber friedlich und freundlich sind, während sie
nach dem 1. Mai linken Chaoten einen streckenweise etwas dauerhafteren
Ausfall ihres Personennahverkehrs zu verdanken hatten.

Berichtet wird dafür, daß insgesamt drei „antifaschistische“
Demonstrationen mit insgesamt rund zweitausend Teilnehmern
stattgefunden hätten. Die eine war von einem „Antifaschistischen Bündnis 28.03“
und soll neunhundert Teilnehmer gehabt haben. Erst nach ihrer Beendigung
begann eine Veranstaltung des „Friedensforums“, die durch späteren

Zulauf bis zu tausend Teilnehmer gehabt haben soll. (Von denen eine
beachtliche Zahl zweifellos von der früheren Veranstaltung des
„Antifaschistischen Bündnis 28.03.“ kam; auch das sollte man bei
der Auswertung der Gesamtzahl an Gegendemonstranten berücksichtigen.)
Offenbar wenig Beliebtheit sowohl bei Arbeitern als auch bei Bürgern
genießt der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB, zu dessen Veranstaltung
nur 120 Personen gekommen sein sollen.

Alles in allem also ein sehr erfolgreicher Tag für den Nationalen
Widerstand in Dortmund!

Hamburg, den 2. September 2007
Christian Worch


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